Was woanders keinen Platz hatte

Wir müssen deutlicher werden

Leider haben wir als Gesellschaft ein Problem mit einer „Subkultur der Impfverweigerer“. Innerhalb dieser werden Ängste vor Impfungen geschürt und zum Teil hat sie Anzeichen einer identitätsstiftenden Sekte – es gibt also „stolze ungeimpfte“, die ihren Status vor sich her tragen und ein komplexes Netzwerk von Falschdarstellungen und Fehlinterpretationen, innerhalb diese Haltung der Impfverweigerung plausibel erscheint. Man hat sich da also eine ideologische Parallelwelt gebaut.

Nun sind ideologische Paralellwelten nichts neues. Das gibt es bei vielen Menschen, die z.B. in bestimmten Religionsgemeinschaften leben, und dort ein geschlossenes Weltbild pflegen. Nur haben diese eben selten eine Auswirkung auf den Rest der Bevölkerung in dem Umfang und der Auswirkung, wie eben die Subkultur der Impfverweigerer. Diese ist zu unterscheiden von der Gruppe der ungeimpften. Nicht geimpft zu sein, kann viele Gründe haben – auch medizinische. Die Impfverweigerer / Impfkritiker sind jedoch diejenigen, die das ideologische Fundament verbreiten, innerhalb derer eine vorsätzliche Entscheidung gegen die Impfung plausibel erscheint.

Eine beliebte Vermutung harmoniebedürftiger Menschen ist die Annahme, dass die Wahrheit in der Mitte liege, nur tut sie das nicht. Wenn die einen behaupten die Erde sei eine Scheibe und die anderen, sie sei eine Kugel, bedeutet das nicht, dass die Erde halb Scheibe, halb Kugel wäre. Daher ist der Anspruch, bei wissenschaftlichen Fragen die Wahrheit in der Mitte zu finden – und damit eben auch Kompromisse einzugehen – in vielen Fällen nicht möglich und meistens nicht sinnvoll. Das bedeutet eben auch, dass man in vielen Fragen inhaltlich nicht „aufeinander zu gehen kann“, um einen Kompromiss zu finden, weil die Erde keine Scheibe ist – auch nicht teilweise oder Ansatzweise.

Ein weiteres Problem ist, dass Meinungen und Fakten durcheinander gebracht werden. Man kann z.B. der Meinung sein „Currywürste sind lecker“ und jemand anderes sagt „Currywürste schmecken mir nicht“ oder „ein blaues Auto ist schön, ein rotes nicht“ und ein anderer sagt „Wein rotes auto ist schön, ein blaues nicht“. Das sind „Meinungen“ – und da kann jeder wohl anderer Meinung sein. Das kann man jedoch nicht bei wissenschaftlichen Fakten analog handhaben, also wenn der eine sagt „ein Kilo sind 1000 Gramm“ und der andere sagt „ein Kilo sind 1024 Gramm“, dann hat der eine recht und der andere nicht. Daraus folgt nicht nicht, dass ein Kilo als Kompromiss 1012 Gramm hat.

Eins der Probleme in Diskussionen ist es also oft, dass „Meinungsfreiheit“ (Currywurst-Beispiel) für Fakten (Kilogramm-bespiel) eingefordert wird. Das geht leider so weit, dass Menschen, die das nicht unterscheiden können, sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt sehen, weil ihre „Meinung“ ein Kilogramm habe 1024 Gramm weder akzeptiert wird, noch sich als „die Wahrheit“ durchsetzt.

Bezogen auf die Corona-Pandemie und die „Meinung“ vieler Impfverweigerer und -skeptiker bedeutet das, dass man ihnen zu bestimmten Punkten (Kilogramm-Beispiel) sagen muss: „Nein ihr liegt falsch.“.

Das NICHT zu tun, wäre zudem fatal, weil zurückliegende Versäumnisse hinsichtlich der Klarheit in diesem Punkt aktuell fast alle Bereiche unseres Lebens und unserer Gesellschaft beeinträchtigen, die Gesundheit vieler Mitmenschen VERMEIDBAR schädigt und viele Mitmenschen VERMEIDBAR das Leben kostet.

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