Was woanders keinen Platz hatte

Die Schärfe nimmt zu – und das ist gut so.

Wer die Diskussionen um die Corona-Maßnahmen und die Gruppe der Impfgegner verfolgt, stellt fest, dass die Schärfe in Diskussionen zunimmt – und das ist gut so. Wir haben keine Impfpflicht, sondern eine „eigenverantwortliche Entscheidung“, das bedeutet aber, dass man nicht nur die Folgen für sich selbst, sondern auch die Folgen für die Umwelt und die Gesellschaft in diesen Abwägungsprozess einbeziehen muss. Es gibt da kein „Recht auf narzisstische Froschperspektive“ und auch keine Deutungshoheit des Individuums darüber, wie seine Entscheidung bewertet wird.

Daher ist auch ein „Impfgegner-Appeasement“ also ein Kuschelkurs, um eine vermeintliche „Spaltung der Gesellschaft“ zu vermeiden der falsche Weg. Es hat sich bereits der Begriff der „Infodemie“ etabliert für das Phänomen einer Subkultur der Impfgegner und die von ihnen verbreiteten Narrative. Und auch hier sind wir als Gesellschaft herausgefordert, diese zu bekämpfen. Und das bedeutet Konfrontation – nicht die Einnahme eines Platzes auf der Zuschauerbank. So wie geimpfte durch ihre Entscheidung zur Impfung Verantwortung für sich, ihr engeres Umfeld und die Gesellschaft aufnehmen, müssen wir auch im Kampf gegen die „Infodemie der Imfgegner“ Verantwortung übernehmmen und sie zurückdrängen wo wir können.

Wenn man sich die Aktivitäten innerhalb der Impfgegner anschaut, besteht ein großer Teil darin, sich gegenseitig ihre Haltung plausibel zu machen, Narrative und Falschdarstellungen zu streuen, Kritik abzuwehren und ein kleines Ökosystem zu schaffen, innerhalb dessen sie sich selbst aufwerten bis überhöhen. in Kampf gegen diese Infodemie muss sich also gegen die Narrative auf inhaltlicher Ebene richten – aber insbesondere gegen die Anerkennung der Impfgegnerschaft als sozial akzeptierte Positionierung. Impfgegner müssen auf Ablehnung stoßen.

Ich denke jeder, der ein wenig in den Sozialen Medien oder den Kommentarspalten unterwegs ist, ist schon der kleinen, aber sehr lauten Truppe der Impfgegner begegnet mit ihren Deppensmileys, den Schlafschaf und Systemkonformisten Phrasen und iherem nicht enden wollenden Missversändnissen von Studien und Statistiken. Viele, mit denen ich gesprochen habe, haben gesagt „ich habe da schon längst aufgegeben“. Wenn das jedoch das ist, was wir in Summe tun: Den Kampf gegen die „Infodemie“ aufgeben, geben wir ihr Raum, Geltung zu erlangen und auch andere „zu infizieren“.

Die Folge davon sind: bedohliche, tödliche Infektionswellen, die vermeidbar sind. Wir können und müssen den Virus zurückdrängen und wir können das. Genau so müssen wir uns den Corona-Schwurblern und Impfgegnern entgegenstellen, entgegenstemmen und sie zurückdrängen. Das bdeutet auch, dass wir unsere Augen schärfen müssen für die Ökosysteme, in denen diese Infodemie gedeiht. Viele kleiner Gruppen schaffen sich gut administrierte (rein gehaltene) Filterblasen auf dem Dienst „Telegram“. Abweichende Meinungen führen nach kurzer Zeit zum Ausschluss. Aber auch im „realen Leben“ gibt es Strukturen, innerhalb derer die Infodemie der Crorona-Schwurbler gedeiht. Da ist zum einen der „rechte Rand“ politisch vertreten durch die AfD und zum anderen esoterische anthroposophische Kreise, deren Menschen- und Weltbild durch Viren und Impfstoffe in Frage gestellt wird. Immer häufiger kann man zwischen diesen Kreisen Kooperationen und auch Schnittmengen beobachten.

So wie diese sich ihre „reinen“ Telegram Gruppen basteln, arbeiten sie jedoch auch in der realen Welt und so entstehen Schulprojekte, innerhalb derer sie ihre Kinder von „unerwünschten Einflüssen“ fern halten wollen. So soll eine neue Generation aufwachsen, die nicht auf die Idee kommen soll, die Haltung ihrer Eltern in Frage zu stellen und die selbst nicht in der Schule aus allen Wolken fallen sollen, wenn dort kritisch über rechte Corona-Schwurbulanten gesprochen oder z.B. für das Impfen geworben wird. Man weiß um den potentiellen Druck der Mehrheitsgesellschaft.

So entsteht und vertieft sich diese rechte / esoterische Subkultur und baut sich eine NICHT auf Integration ausgerichtete Paralallelwelt. Dabei greifen sie auf etablierte Modelle zurück, wie die „Völkischen Siedler“, Landsitze der Anastasia-Bewegung oder eben auch anthroposphisch /esoterische Kreise, innerhalb derer sie meinen von der Mehrheitsgesellschaft unbehelligt zu bleiben. Nur interessiert das eben den Virus nicht. Wenn wir uns die aktuelle Situation in Oberbayern oder auch in Sachsen anschauen, ist das eine direkte Folge der Nachlässigkeit im Umgang mit der Infodemie und ihrer Ausbreitung, die von rechten und esoterischen Kreisen ausgeht.

Wenn wir also den Kampf gegen den Virus gewinnen wollen, wenn wir es schaffen wollen, die Verluste von Gesundheit und Menschenleben zu minimieren, dann müssen wir zuerst den Kampf gegen die „Infodemie“, ihre Sporen, Wirte und Ökosysteme aufnehmen und entscheiden.

Wie ein bekannter Motivations-Trainer es mal sagte:“Können wir das schaffen? Ja wir schaffen das!“

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